Ruth Gemeinhardt
Freie Journalistin, München
Begegnungen
Musik, Kunst, Literatur
Aus meinem Landkreis
Eine Geschichte
eins noch...
Aus meinem Landkreis
Puchheim – Weder rauf noch runter kommen am S-Bahnhof Mütter mit Kinderwägen und Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte mit Krücken oder Rollator. „Wir haben jetzt lange genug gewartet, jetzt muss ein barrierefreier Bahnhof her“, sind sich die Puchheimer Bürger einig. Weit über 2000 Unterschriften hat der Behindertenbeirat schon gesammelt, im Juni sollen sie an das Wirtschafts- und Verkehrsministerium und auch an die Deutsche Bahn  übergeben werden.
In der Stadt leben derzeit etwa 4.000 Senioren, rund 750 Familien mit Kleinkindern und allein 1.600 Personen, deren Schwerbehinderung amtlich bestätigt ist. Eine davon ist die 73-jährige Irmgard Fischer, die nach dem Tod ihres Mannes aus Fürstenfeldbruck ins Betreute Wohnen an der Roggensteiner Straße gezogen ist. „Ich kann das Grab meines Mannes nicht besuchen, weil ich nicht zur S-Bahn nach Fürstenfeldbruck komme“, sagt sie unter Tränen. Andere wiederum finden ziemlich skurile Lösungen. „Bis vor kurzem habe ich meinen Mann hochgeschleppt“, sagt etwa Elsa Kern allen Ernstes. Die Dame ist selbst 84 Jahre alt und fährt fort: „Ich kann das jetzt nicht mehr, weil ich an beiden Armen operiert worden bin“. Cordula Hubrich wiederum fährt in Richtung München, wenn sie nach Eichenau will. Irgendwo auf der Strecke wechselt sie auf das andere Gleis und kann dann zu ihrem Ziel. „Es dauert halt eine Stunde länger und kostet entschieden mehr“, erklärt sie. „Vor der letzten Gemeinderatswahl haben alle Parteien versprochen, dass eine Rampe kommt, doch auf diese warten wir heute noch“, so Sieglinde Jarosch verärgert. Ingrid Hauer, 69 Jahre alt, kommt gerade aus München. Fast droht sie herabzustürzen, da greift ein anderer Fahrgast beherzt ein. „Ich will nicht jemanden Fremden ansprechen“, sagt die Dame mit Atemgerät entschuldigend. „Und ich habe mir beim Aussteigen schon überlegt, wie das jetzt gehen soll“,  so Ingrid Weinauer, die ihr geholfen hat. Es ist noch einmal gut gegangen. „Aber das kann es ja nicht sein“, so Stadträtin Ingrid Kroppen. „Seit 2003 haben wir das Behindertengleichstellungsgesetz, wir haben haufenweise Regeln und Verordnungen, aber nichts davon wird umgesetzt“. Besonders tragisch: „Viele sind ins Betreute Wohnen gezogen in der Erwartung, dass der Bahnhof behindertengerecht ausgebaut werde“, so Roland Mai, der Vorsitzende des Verwaltungsbeirates. Bis Ende des Monats werden noch Unterschriften gesammelt. Die Listen liegen in Apotheken, Geschäften und öffentlichen Einrichtungen aus. „Jeder kann morgen schon von dieser Problematik betroffen sein“, erinnert Kroppen unermüdlich.

 

Bemühung um die deutsche Sprache ...

Von Ruth Gemeinhardt
Germering – Sie sind jung, haben schon alle einiges Unerfreuliche erlebt, kommen aus den verschiedensten Ecken der Erde und haben eines gemeinsam: Sie leben derzeit in der Asylbewerberunterkunft am Starnberger Weg und wollen in Deutschland ein neues Leben auf-bauen. Und während die Deutschen im Urlaub waren, haben sie fleißig die „Schulbank“ gedrückt.
Asylbewerber müssen in erster Linie warten und viele von ihnen nutzen diese Zeit, um sich mit der neuen Sprache vertraut zu machen. Eine Spende vom Förderverein „Hand in Hand“ der Caritas machte die Einstellung einer Lehrkraft möglich. Erste Hürde ist die Terminvereinba-rung. Wie soll man pünktlich zum Unterricht kommen, wenn man nicht weiß, was oder wann „Mittwoch“ ist, wenn man vielleicht gar nicht lesen oder schreiben kann, weil man noch nie die Gele-genheit hatte, eine Schule zu besuchen. Mit vereinten Kräften schafft man es dann doch, alle zusammenzutrommeln. Da sind Maryan und Adel, sie kommen mit ihrem Baby, wo soll es auch sonst hin. Sie sind genauso wie Nadir aus dem Irak. Nadir ist erst 19 Jahre alt und hat nicht immer Lust, die Ausnahmen von der Regel zu akzeptieren. Und doch ist er so dankbar für diese Chance, dass er, was immer er zu essen und trinken hat, mit jedem teilt. „Ich brauche einen Dolmetscher“ ruft er in gespielter Verzweiflung, aber immerhin in korrektem Deutsch - da keimt ein Hoffnungsschimmer auf und alle lachen. Hamed ist aus Afghanistan, Siyoum aus Äthiopien und Tsering und Dicky sind aus Tibet. Sie alle müs-sen plötzlich mehr oder weniger sprachlos miteinander auskommen. Bleistift und Radiergummi sind die ersten Worte, die gelernt werden. Nicht, weil sie lebensnotwendig wären, sondern, weil nicht jeder über diese Utensilien verfügt und man eine gewisse Höflichkeit wahren möchte. Auch, wenn die Fra-ge nicht gleich korrekt gestellt ist, verhindern diese Vokabeln doch, dass man sich die Dinge einfach gegenseitig aus der Hand neh-men muss. „Wie geht es Ih-nen?“ haben sie schnell gelernt und sicher wird man nirgends so oft und herzlich nach seinem Wohlbefinden gefragt wie hier. Plötzlich kommt ein Neuer dazu, dafür fehlt ein Anderer, der zu einem Termin ins Landratsamt musste. Ewas eingepfercht sitzen alle zehn Lernenden in dem kleinen Raum, einen größeren gibt es nicht. Und erneut wird versucht, jedem gerecht zu werden. Es heißt „Zehn nach eins“ aber „fünf vor halb zwei“ und „ich lese“, aber „du liest“. „Warum?“ – spätestens bei dieser Frage, hätte es auch die Lehrkraft gerne einfacher. Und doch, wenn wieder einmal ein lustiges Missverständnis produ-ziert ist, hilft ein kleines und deutliches „Entschuldigung“ und alle rufen – mit unterschiedlicher Betonung, aber im Chor: „Kein Problem!“ und lachen. Denn in der Tat hat auch das Wort „Problem“ hier eine andere Bedeutung – und das muss man niemandem erklären, jedenfalls nicht innerhalb des Asylbewerber-heims.

Es ist beschämend ...

Von Ruth Gemeinhardt
Germering – Es war ein Artikel im Fürstenfeldbrucker Tagblatt, der die Frauenunion auf den Plan rief. Am Donnerstag haben sie sich die Asylbewerberunterkunft angesehen - für viele war es die erste Begegnung mit den drei Gebäuden und den Menschen am Starnberger Weg. Die FU hat sich die vielen kleinen und großen Probleme angehört und betroffen den Entschluss gefasst, dass sie versuchen werden, zu helfen.
Die Spielsachen und Plüschtiere konnten nur eine Geste sein. Die Probleme, so mussten die Frauen der FU, die auch von Stadtrat Hans Pichelmaier und Lions-Vorsitzendem Hans-Joachim Lutz begleitet wurden, liegen woanders. Da sind Kinder, die aus Kostengründen keinen Kindergarten besuchen können, Menschen, bei denen seit acht Jahren geprüft wird, wo sie herkommen oder wie alt sie sind. Menschen, die sich selbst versorgen könnten, aber nicht ausziehen dürfen, andere, die ausziehen müssen, aber keine Arbeit und Wohnung haben, weil sie bis vorgestern noch nicht einmal einen Deutschkurs besuchen durften, jetzt aber ohne jegliche staatliche Hilfe auskommen müssen. Steuern sind zu bezahlen, Kindergeld dagegen gibt es nicht. Es sind Menschen aus Kriegsgebieten, die so traumatisiert sind, dass sie über ihre Vergangenheit nicht re-den können. Es ist wohl auch besser, wenn man nicht weiß, wie sie es nach Deutschland geschafft haben. „Die Gesetze können wir nicht ändern“, sagt Sieg-fried Schomburg vom Arbeitskreis Asyl, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, zu helfen, wo und wie man eben helfen kann. „Aber warum muss ein Asylbewerber sein Taschengeld in Fürstenfeld-bruck abholen, wo er dann von diesen 40 Euro schon gleich die Fahrkarte bezahlen muss“, fragt er den Kreisrat Lutz. Warum muss das Essenspaket seit sieben Jahren den gleichen Inhalt haben und mit Dingen gefüllt sein, die Menschen arabischer Herkunft nicht essen? Warum gibt es keinen Rabatt bei Sportvereinen oder werden nicht die Kontogebühren erlassen? Es sind eindeutig mehr Fragen als Antworten. „Vieles ist nicht zu verstehen und sehr beschämend“, sagte Hans Pichelmeier. Für die Erstklässler hat inzwischen der Aufrechte Gang e.V. die Aktion Schultüte ins Leben gerufen, aber auch die älteren Kinder brauchen im Sep-tember für rund 150 Euro neue Schulsachen. Agathe Wittmann hatte natürlich die Liste dabei und Gabi Pichelmeier, die Vorsitzende der FU, hat sie mitgenommen. „Ich werde mich auf jeden Fall mit Beatrix von Bothmer in Verbindung setzen, hier muss geholfen werden“, sag-te sie betroffen. Doch so richtig „beeindruckend“ wurde es erst beim Rundgang. „Es ist alles sauber und ordentlich, die Menschen sind unsagbar nett“, stellte sie fest und hat dennoch feuchte Augen. Unter „Küche“ versteht sie schlichtweg mehr, als zwei Herdplatten und ein Spülbecken. Und die Zimmer sind sehr klein. Dennoch muss eine Familie mit zwei Kindern, sobald sie mehr als 720 Euro Einkommen hat, für zwei Zimmerchen 430 Euro Miete an die Regierung bezahlen, erklärte Schomburg. Und fast untergegangen im Erzählen wäre dieser Satz von ihm: „Wir brauchen nicht nur Geld, wir brauchen auch Menschen, die aktiv werden“.

Weitere Informationen gibt es unter www.asyl-germering.de. Wer etwas spenden oder helfen möchte, kann sich unter Telefon 089/8418847 an Siegfried Schomburg wenden.

Von Ruth Gemeinhardt
Germering – Zum 25. Mal hat das „
Internationale Fest - Begegnung der Kulturen“ am vergangenen Freitag stattgefunden. Bei internationalen Köstlichkeiten und guter Stimmung haben die Menschen verschiedener Nationen im Festzelt zusammen gefeiert. Die Moderation war diesmal bayerisch – und so muss Dieter Kuttenberger wohl damit leben, dass ihn die meisten wohl eher nicht verstanden haben.
Von politischer Seite konnte OB Andreas Haas den Landtagsvizepräsidenten Reinhold Bocklet, die Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner und Reiner Dunkel, den Integrationsreferenten des Landkreises begrüßen. Aber viele Gäste mit Migrations-hintergrund waren auch aus München gekommen. Juna Budha und Samjhana Gurung zum Beispiel leben in der Landeshauptstadt, besuchen aber in Germering bei Mukule (Interkulturelles Le-ben und Lernen) Deutschkurse. Juna sang ein nepalesische Liebeslied und Samjhana tanzte für die Gäste. Auch Haifa aus dem Irak lernt dort Deutsch und saß ein wenig nervös vor ihrer Flasche Mineralwasser. „Ich habe morgen Prüfung“, erklärte sie. Aus Tibet geflohen ist die 35-jährige Tsering Ihakyi. Sie lebt seit vier Monaten im Asylbewerberheim und hofft nun, dass sie hier blei-ben darf. Zumindest kulinarisch wäre das gar keine Frage. Ihre Momos - gedämpfte Teigtaschen mit vegetarischer oder Rindfleischfüllung – waren eine Köstlichkeit. Viele Informationen gab es heuer mittels Faltblatt und Stellwänden und zum ersten Mal konnte auch die Jugend einbezogen werden. Schüler der Kleinfeldschule trommelten und jonglierten, Die gebürtige Vietnamesin und Tänzerin Tran Thi Ai Van, die über die Frauentage nach Germering gefunden hatte, hat mit der Kindertanzgruppe „Die bunte Farbe“ ebenfalls zur Gestaltung des Rahmenprogramms

beigetragen. Insgesamt scheinen sich die Berührungsängste dank des Einsatzes vieler Gruppen langsam etwas abzubauen. „Es waren mehr ausländische Gäste da und das Fest kam gut an“, meinte Ausländerreferentin Centa Kessler, die sich auch freute, an diesem Abend den neuen Integrationsbeauftragten Manuel Leupold vorstellen zu können. Und der hat gleich ein ganzes P-Seminar vom Max-Born-Gymnasium zur Seite bekommen. Mit dem Integrationsplan der Stadt sind die Oberstufenschüler nämlich nicht zufrieden. „Das ist eine Bestandsaufnahme, aber Lösungsvorschläge stehen keine drin“, so Claudia Faltermeier. Diese wollen die Abiturienten jetzt finden und „nachreichen“. „Man könnte in der Schule das Tutoren-system speziell für ausländische Schüler erweitern“, nannte Thomas Eppinger ein Beispiel.
Von Ruth Gemeinhardt
Germering – Der neunjährige Emil Kafitz von der Theresen-Grundschule bittet um die Stimme der Germeringer. Der Schüler ist leidenschaftlicher Rapper und hat sich am Medienwettbewerb „Typ 2020“ beteiligt. Von 145 Beiträgen ist sein Beitrag „TÜP 2020“ unter die ersten acht Platzierungen gekommen. Das letzte Wort hat nun das Publikum. Auf „www.typ2020.de“ läuft derzeit das Online-Voting.
Welcher Typ ist in Zukunft gefragt? Beim Neue Wege für Jungs - Medienwettbewerb "Typ 2020 - was morgen zählt!" haben sich Jungs darüber Gedanken gemacht und das Thema "Berufs- und Lebensplanung" kritisch hinterfragt. Auch Emil hat sich hingesetzt und überlegt, wie er wohl in zehn Jahren leben wird. Sehr schnell hat er entdeckt, dass Familie und Beruf nur Teile seines Lebens sind, dass ihn auch Fragen über die Umwelt, Armut und Alter beschäftigen. Emil redet gerne und hat etwas zu sagen, vielleicht gerade weil er der jüngste von drei Geschwistern ist. „Ich habe mir Stichwörter aufgeschrieben und dann um die Wörter Reime gemacht“, erklärt er, wie seine Raps entstehen. Der Rhythmus sei dann ohnehin schon im Kopf. Dennoch, bis alles passte, dauerte es zwei Tage. Und dann war Martin Pollok und seine Technik vom Abenteuerspielplatz gefragt. Die Schreibmaschine – das klassische Musikinstrument am Abenteuerspielplatz – kam zum Einsatz. Der Refrain „T – Y – P, Typ – Typ, 20-20“ war schnell gefunden und in einer Schleife über die Strophen gelegt. Emil, so kann man dem Rap entnehmen, möchte einmal Architekt werden und in einer Wohngemeinschaft leben. Eine Freundin wird er auch haben, aber noch keine Kinder. „Mit den Kindern hat es leider noch nicht geklappt – doch wer zu schnell macht, ist übergeschnappt“, rappt er. Der Text ist ganz anders und viel ernster geworden, als Emil das vorgehabt hatte. Darüber staunte Emil aber mehr als Martin Pollok. „Er ist ein ungewöhnlicher Junge mit erstaunlichen Gedanken und Fähigkeiten“, sagt Pollok, der immer wieder über den kleinen Burschen staunen kann. „Hey wir können nur hoffen, dass die Welt nicht stirbt - und dass es generell nicht so wird!“ mit diesen Worten lässt Emil seinen Ausblick enden. Am 11. Juni  wird Emil zusammen mit Martin Pollok zur Preisverleihung beim Computer- und Videospiel-Festival „Living Games“ nach Bochum fliegen. Und - wenn sich noch viele den Beitrag in der Galerie (erstes Kassetten-Symbol) anhören und ihre Stimme abgeben, hat Emil als jüngster Teilnehmer in der Endrunde eine gute Chance, dass zumindest ein Traum Wirklichkeit wird: „Rapper bin ich im Nebenberuf - wenigstens da habe ich einen guten Ruf“.

Von Ruth Gemeinhardt
Germering – Schreiben, was man nicht sagen kann, Gedanken auffangen, Emotionen verarbeiten, aus der Rolle schlüpfen und andere Blickwinkel erleben – all das verbirgt sich hinter dem Projekt „TextSpirit“, das seit einigen Jahren an der Realschule Unterpfaffenhofen als Wahlfach angeboten wird. Musiktextautor Mic Schneider hat inzwischen mit seinem Projekt sogar Lehrer angesteckt. Auf Fortbildungen greifen auch sie zu Stift und Papier und lassen sich in die Welt der eigenen Ausdrucksfähigkeit entführen.
Wort und Ton haben den gebürtigen Münchener sein Leben lang begleitet. „Ich habe die Pubertät in allen Zügen genossen“, lacht er und erzählt: “Sprache und Musik dienten immer als Ventil“. In der Schule lässt er rappen und reimen – und jedes Wort ist ihm wichtig. Das Reflektieren durch einen Perspektivenwechsel spielt eine zentrale Rolle. Tanja versetzt sich in einen kleinen Floh und beschreibt dessen Gefühle, als er vom Hund herunter fällt. Lisa fühlt sich in ein Blatt Papier ein, das als ungeliebter blauer Brief in der Schule abgeheftet wird. Franz spielt für die Zeit des kreativen Schreibens einen Pokerchip, den es auf eine Insel mit Eingeborenen verschlägt. Das Ergebnis sind Texte, auf die die Schüler stolz sein können. Und das sind sie auch, haben sie doch Mut genug, Gedichte und Kurz-geschichten im Internet zu veröffentlichen. Es sind auch Texte, bei denen manch eine Lehrkraft verwundert ist, wenn der jüngste Deutschaufsatz desselben Autors nicht annähernd so gut ausgefallen ist. Ohne Zeit- und Leistungsdruck können die jungen Autoren wachsen, etwas Einzigartiges erschaffen und Selbstvertrauen aufbauen. Für Hipp-Hopper Fabian wird „Demokratie“ erst ein Thema, wenn es in Songform gebracht wird, „Headline, Refrain, Bridge und C-Teil hat“. Da ist von Politikverdrossenheit plötzlich nichts mehr zu spüren. Ganz im Gegenteil: „Können wir endlich loslegen?“, ruft er, denn schließlich sollen die Texte beim Jugendwett-bewerb „60 Jahre Grundgesetz“ eingereicht werden. Wichtig ist Schneider aber auch, dass seine Schüler beim Austausch lernen, Kritik und Hilfe anzunehmen. „Die Gedanken der Schüler sind oft genial. Man sollte ihnen zuhören“, schwärmt Schneider. Nach Germering hat es den 41-Jährigen vor zehn Jahren verschlagen. „Da bin ich gleich am Ammersee und gleich in München – ich brauche beides“, erklärt er. Unter seinem eigenen Musiklabel Inland Records hat er 2006 das Projekt „Spurensuche“ realisiert, bei dem er Musikinterpreten mit spirituellen Gedan-ken großer Persönlichkeiten vereint. Die Alben sind vom Religionspädagogischen Zentrum ebenso wie vom Kultusministerium als zusätzliche Lehrmittel empfohlen. „Schreiben ist spirituell, denn jeder Mensch, ob groß oder klein, hat eine Bot-schaft“, ist Schneider überzeugt. In der Realschule bietet er das Wahlfach „Song-texten“ und einen Talentkurs für besonders begabte Schüler an. „Für uns ist es ein Glück, mit Mic Schneider einen Profi von außen an der Schule zu haben, der auch noch den Draht zu den Kindern hat. Da wird Schule zum Lebensraum“, so Schulleiter Christoph Breuer. Die Deutschlehrer seien aber nicht neidisch auf den Freiraum, genussvoll mit Worten spielen zu können, meint der Rektor. Die Zeit für Kreativität muss oft hinter dem Schulalltag zurückbleiben. Aber in Schneider se-hen sie eine Hilfe, wenn die Pubertät mal wieder überhand nimmt. Er legt dann Xavier Naidoo auf und lässt die Schüler Tagebuch schreiben - „um abzulegen, was passiert ist“ und nicht zuletzt, um sich selbst und andere besser zu verstehen.
„Jedes Wort (er)zählt“ – Unter diesem Motto kann sich jeder am Projekt beteiligen: www.textspirit.de 

 

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