Ruth Gemeinhardt
Freie Journalistin, München
Begegnungen
Musik, Kunst, Literatur
Aus meinem Landkreis
Eine Geschichte
eins noch...
Begegnungen

Von Ruth Gemeinhardt
Puchheim – Wir wissen zu wenig und glauben zu viel. Wer sich in die Tiefen der Philosophie begibt, ist meist ein wenig verloren. Nicht so, wenn es Albert Keller ist, der die Führung übernimmt. Der Philosoph und Kommunikationswissenschaftler schaffte es auch in der Reihe der Begegnungen, den Gästen den Reiz der Freiheit des Geistes, den Spaß an Wort und Sprache verständlich zu vermitteln - zumindest bis der Papst ins Spiel kam.
Was immer der Grund war – der erste Abend nachdem Orkan, die große Fangemeinde oder die Ankündigung eines „aufmüpfigen Theologen“ – der Ingeborg Bachmann-Saal platzte mit über hundert Gästen aus allen Nähten. Vielleicht war es auch das Thema „Unwissenheit“, bei dem sich so viele angesprochen fühlten. Unwissenheit, so erklärte Keller gibt es in Form von fehlender Information und in Form von fehlendem Verständnis. Während sich nun Informationen, also Wissen, inzwischen binnen drei Monaten verdoppelt, werde die Erfahrung, das „Sich Auskennen“ mehr und mehr entwertet. „Wir wissen alles, kennen uns aber nirgends mehr aus“, könnte man sagen. Neben Resignation und Fanatismus gebe es als Konsequenz noch die Erkenntnis, dass man nichts weiß und sich ei-nen Fachmann suchen muss. „Wir haben noch nie soviel geglaubt wie heute“, so Keller. Neben einer gesunden Kritik gehe es nicht ohne Vertrauen, das über den Spezialisten hinaus den guten Menschen fordert. „Glaubensbereitschaft ist aber vor allem eine kirchliche Krankheit“, stellte Keller gleich selber klar. Wobei theologischer Glaube gar nichts mit Wissen zu tun habe, sondern mit bedingungslosem Vertrauen. Dennoch wurde es bei der Unfehlbarkeit des Papstes schwierig. „Ich rede nicht von Wahrheit, sondern von Sätzen, die wahr sind, wenn sie richtig verstanden werden“, so Keller. Der Papst sage also die Wahrheit, sozusagen Kraft seines Amtes – die Frage ist, ob das Fußvolk folgen kann. Da ist es in der Politik durchsichtiger. „Wird das System mit Misstrauen erhalten?“, wollte Bürgermeister Herbert Kränzlein wissen. In allem zweifeln, wie Kant empfahl, sei auch nicht die Lösung, so Keller. „Wir müssen glauben, um zu wissen und doch überlegen, wem wir glauben und dabei hat der Mensch das Recht, sich zu irren“. In diesem Sinne könne man nicht aus der Geschichte für ein nächstes mal lernen. „Man kann aber Weisheit erlangen, die sich dadurch auszeichnet, dass sich die Sichtwei-se insgesamt verändert“, so Keller. Den Kindern empfiehlt er, die Anleitung zum Lernen, kritischen Hinterfragen und konstruktiven Miteinander mit auf den Weg zu geben. Um gut zu sein, müssen sie den Blick für das Wohl der Gemeinschaft über den eigenen Erfolg stellen.

 

Herzlich Willkommen, Namasté! Neuigkeiten und EreignisseVon mir Über mich Fotos